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Der gereizte Kaktusfreund

 

Muckimaki

der lustige Kobold

 

Der gereizte Kaktusfreund

 

von

W. Reynold

 

Zweiter Band

 

Alle Rechte, besonders das der Übersetzung und Verfilmung, vorbehalten.
Das Führen der Bandreihe „Muckimaki“ in Leihbüchereien wird vom Verlag untersagt.

Nachdruck verboten. – Printed in Germany.

Copyright 1935 in U.S.A. by Verlagshaus Freya G. m. b. H., Heidenau 1 bei Dresden.

 

 

Muckimaki geht mal aus,
Denn ein Kobold muß hinaus,
Hockt nicht gern auf einem Fleck,
Rastlos treibt es ihn hinweg,
Abends spät die menschenleeren
Gassen spähend zu durchqueren,
Weil er gern aus Übermut
Manchem was zum Possen tut.

 

 

Unter den Kakteen hier
Sitzt Amadeus Schluckebier,
Schaut bei seiner Glatze schein
In ein Zeitungsblatt hinein.
Nachbar Gütigs Blumenbrett
Über ihm ist auch sehr nett;
Muckimaki, kurz entschlossen,
Steigt empor an einer Gossen.

 

 

Schleicht mit katzengleichem Gang
Den nur schmalen Sims entlang,
Lugt wie ein durchtriebner Bube
Um die Ecke in die Stube.
Wo den Nachbar er erblickt,
Der beim Lesen eingenickt.
Mucki, der ihn still betrachtet,
Fühlt sich völlig unbeachtet.

 

 

Denkt: Ich werde etwas machen,
Um mich mal recht auszulachen.
Der hier drinnen scheint hysterisch,
Und der unten sehr cholerisch;
Sicher wird es ihn verdrießen
Wenn es trippt beim Blumengießen,
Sine Kanne steht ja hier;
Das kommet recht gelegen mir!

 

 

Gott sei Dank, der Herr im Zimmer
Ist recht müd‘ und schläft noh immer,
Das in aller Ruhe man
Seine Arbeit machen kann!
Vorsicht, dieser Topf der kippelt,
Aber jetzt geht‘s los, es trippelt;
Immer weiter, nur Geduld,
So ist‘s recht, es gießt, es strullt.

 

 

Dieser Handstreich ist geglückt,
Muckimaki schnell sich drückt.
Aufgebracht wird Schluckebier,
Denn das ist ja Unfug hier!
Aufwärts schaut er ganz betroffen,
Seine Glatze wird getroffen,
Auch die Zeitung wurde naß;
Nein, daß geht ihn übern Spaß.

 

 

Triefend hat er sich erhoben
Und schimpft wutentbrannt nach oben.
Gerade träumt der gute Gütig,
Seine Frau sei wieder wütig.
Ihr Organ ist heut so laut,
Das er blinzelnd um sich schaut.
Nunmehr völlig aufgeweckt
Eilt ans Fenster er verschreckt.

 

 

Fragt bescheiden, was denn sei.
Hört nur: „Esel, Schweinerei!“!
Äußert: „Das verbitt‘ ich mir,
Es sind keine Schweine hier!“
„So,“ ruft Schluckebier verdrossen,
„Welches Schwein hat dann gegossen?“
Obermieter Gütig spricht:
„Ja, bedaure sehr, ich nicht!“

 

 

Schluckebier, noch ganz erbost,
Weiter jetzt im Zimmer tost.
Mucki ist herabgeklettert,
Freut sich, wie der Dicke wettert.
Dieser wirft noch einen Blick
Wild auf den Balkon zurück,
Und ihm scheint, da sei ein Kopf,
Greift nach einem Blumentopf.

 

 

Wirft und brüllt: „Ich will dich lehren,
Wirst du dich nach Hause scheren!“
Klirrrr – der Topf zerschellt, zersplittert,
Denn der Dicke ist erbittert.
Mucki, mit genauer Not,
Schnell entwischt, weil er bedroht;
Eilt von diesem Ort hinweg
Zu dem sicheren Versteck.

 

 

Wo er ruhig kann bedenken
Wie er Schluckebier kann kränken;
Keine innre Stimme spricht:
„Muckimaki, tu das nicht.“
Ganz im Gegenteil, der Tropf.
Trudelt sich und stellt sich Kopf
Ja, er hat‘s, so könnt‘ es gehen;
Etwas soll und muß geschehen!

 

 

Tags darauf sitzt Schluckebier
Wiederum bei offner Tür.
Mucki hat sich ganz verstohlen
Hergemacht auf leisen Sohlen,
Denn es blüht, o welche Pracht,
Just „Die Königin der Nacht“.
Diese will er heimlich rauben,
Aber ach, er muß dran glauben.

 

 

Denn es fliegt ihm an den Kopf
Ein kaputter Henkeltopf
Schluckebier schimpft hinterher:
„Wenn ich nur wüßte, wer das wär‘!
Laß dich ja nicht wiedersehn,
Sonst könnt‘ es dir koddrig gehn!“
Ahnungslos ist Schluckebier,
Das ein Kobold umgeht hier.

 

 

Schluckebier auf alle Fälle
Legt Leimruten an die Stelle
Wo in voller Blütenpracht
Prangt „Die Königin der Nacht“.
So, nun mag der Dieb nur kommen,
Der wird gründlich vorgenommen!
Schluckebier liegt auf der Lauer,
Denn er säh‘ ihn gern genauer.

 

 

Und schon in der ersten Nacht
Kam es so wie er gedacht.
Muckimaki, der‘s nicht läßt,
Schlich herbei und klebte fest
Mit des Schwanzes Puschelspitze,
Schluckebier sah‘s durch die Ritze,
Sprang hervor, o welcher Schreck;
Mucki strebte schnell hinweg.

 

 

Sprang herab und ließ ein Stück
Von dem Puschelschwanz zurück.
Eingerissen war die Pelle,
Mucki pustete die Stelle,
Weil er große Schmerzen fühlt,
Nachts er sie mit Wasser kühlt,
Bis sein schöner Puschelschwanz
Ausgeheilt und wieder ganz.

 

 

Noch muß Muckimaki ruh‘n
Doch es drängt ihn, was zu tun.
Bei dem Denken wird ihm heiß.
Von der Stirne rinnt der Schweiß.
Aber jetzt hat er‘s getroffen
Und darf auf Vergeltung hoffen.
Schon nach einer kurzen Zeit
Tritt er Nachts in Tätigkeit.

 

 

Schluckebier pflegt seiner Ruh‘,
Die Balkontür, die ist zu;
Schön in einer Reihe stehn
Die verschiedenen Kakteen,
Hub, die eine wird geraubt,
Das bekannte „Greisenhaupt“,
Welche Muckimaki jetzt
Auf den Feuermelder setzt.

 

 

Hub, die andren, nur gemach,
Drüben auf das flache Dach!
Mit den kleinen ‘nauf zu Gütig,
Dann wird Schluckebier recht wütig,
Weil er selbstverständlich denkt,
Das ihn dieser so gekränkt.
Mucki wird‘s mit Vorsicht wagen,
Sie aufs Blumenbrett zu tragen.

 

 

 

Eine legt er gang verschmitzt
Auf den Stuhl, worauf man sitzt,
Wirft dann, Kladdradatsch-Klabumm,
Ein paar leere Töpfe um,
Und versteckt nach diesem Witze
sich in einer Maurerritze.
Es wird Tag, der Morgen graut,
Muckimaki harrt und schaut.

 

 

Schluckebier, der wurde wach,
Denn er hörte einen Krach,
Der sein Ohr im Bette traf,
Reißt sich aus dem Morgenschlaf.
Barfuß läuft er nach der Tür;
Das Geräusch kam doch von hier?
Fahles Licht dringt durch die Scheiben
Oh, es ist nicht zu beschreiben!

 

 

Umgeworfen liegen hier
Seiner besten Töpfe vier,
Furchtbar muß ihn das erbosen!
Schleunigst fährt er in die Hosen,
Wirft den Schlafrock um die Glieder
Und steigt in den Garten nieder.
Sichert erst das „Greisenhaupt“;
Es steht da, ist nicht geraubt.

 

 

Nun hinüber auf das Dach,
Niedrig ist‘s und ziemlich flach.
Eine Fußbank kann ihm nützen,
Er steht auf den Zehenspitzen,
Hebt sich noch ein wenig an,
Und das Weit‘re folgt sodann.
Rietz, ratz-klatsch, er sinkt er fällt,
Und ein Kaktustopf zerschellt.

 

 

Aber nur nicht nachgelassen.
Fest und richtig zuzufassen
Ist geboten – so – es geht;
Alles auf dem Boden steht.
Schluckebier trägt seinen Schatz
Auf den altgewohnten Platz,
Blickt nach oben dankerfüllt:
Ha – was sieht er für ein Bild?

 

 

Auf Herrn Gütigs Blumenbrett
Blütenschwer und reizend nett,
Sieht er zwei Kakteen stehen;
Fast die Sinne ihm vergehn.
Sinkt auf seinen Korbstuhl nieder;
Au! – Was ist denn das nun wieder?
Hinten hat ihm was gestochen,
Doch er weiß, wer das verbrochen!

 

 

So verschlagen und gemein
Kann nur dieser Gütig sein!
Wie der ist, das weiß er schon,
Doch nun kriegt er seinen Lohn,
Schluckebier macht zu die Knöppe
Und läuft flugs empor die Treppe.
Auf den Klingelknopf er drückt,
Läßt nicht aus, ist wie verrückt.

 

 

Leicht bekleidet öffnet Gütig
Wird wie Schluckebier so wütig,
Der frühmorgens, unerhört,
Ihn in seinem Schlummer stört.
Beide sagen keinen Ton,
sondern treten in Aktion,
Mucki lauschte eine Weile;
Schluckebier kriegt gerade Keile.

 

 

Muckimaki macht sich fort,
Läßt die beiden wirken dort
Bis auf ausgemachte Sache;
So kam er zu seiner Rache.
Lustig ist er fortgesprungen,
Hat ein Liedel sich gesungen;
Überlegt im stillen dann,
Was er weiter machen kann.