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Schornsteinfeger Krause

 

Männe und Max

lustige Bubengeschichten

 

2. Band[1]

 

Schornsteinfeger Krause

 

von

Walther Neuschub

Mit Bildern von

R. Hansche

 

Verlag moderner Lektüre, G.m.b.H.
Berlin SO 16, Michaelkirchstraße 23a.

 

Nachdruck verboten. – Alle Rechte einschließlich das Verfilmungsrecht vorbehalten. Copyright by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin 16. – 1932.

Druck: P. Lehmann G. m. b. H., Berlin SO 16.

 

 

Schornsteinfegermeister Krause
War bekannt in jedem Hause,
Weil man ihn sehr häufig brauchte,
Sei es, daß der Ofen rauchte
Oder daß im Küchenherd
Wieder sich der Ruß vermehrt.
Kurz – bei jedem Übelstand
War Herr Krause gleich zur Hand.

 

Auf dem Kopf die Filzesröhre,
Schwarz wie eine Negergöre,
Saß auf Knödelmayers Dach
Heut‘ der Mann vom Kehrer-Fach,
Und er fegte die Kamine
Mit besonders froher Miene.
Wußt‘ er doch, welch leck‘re Sachen
Knödelmavers unten machen:

 

Pfefferkuchen, Pfeffernüsse
Und so ähnliche Genüsse! –

 

 

Da – urplötzlich mit Gebraus‘
Fährt ein Windstoß übers Haus,
Der mit ungestümer Hast
Den Zylinderhut erfaßt.
Fort fliegt er aus Krauses Nähe
Wie ‘ne große schwarze Krähe. –

 

Max und Männe, Bob dazu,
Liegen hier in süßer Ruh
Lang im Grass unterm Flieder.
Ei – da fällt ein Hut hernieder,
Trifft den Max grad‘ ins Gesicht,
Reiner wurd‘ er dadurch nicht!

 

 

„Schau!“ schreit Männe lustig auf,
„Krause drückt ‘n Stempel drauf!“

 

Max jedoch in jäher Wut
Schleudert von sich diesen Hut,
Der nun als ein Augenblendnis
Ward dem Bobbikopf Gefängnis.

 

 

Bob springt auf, und mit den Pfoten
Zerrt er an dem Hut nach Noten.
Doch des Zufalls tück‘scher Meister
Führt ihn zu 'nem Eimer Kleister.

 

Knödelmayer für Tapeten
Tat vorhin ihn flüssig kneten.
Bobbis Kehrseit‘ – welch‘ Malheur! –
Trifft den Eimer allzu schwer!

 

 

Bauz schon fließt die Klebrigkeit
Über Hut und Hundeleib,
Worauf Bob in wildem Schreck
Rennet in die andre Eck‘.

 

Wo heut‘ reißt die alte Medern
Schöne weiße Gänsefedern. –

 

 

In den einen Korb voll Daunen
Fliegt der Bob – ‘s ist zum Staunen!
Samt des Krauses Haupteszier,
So daß Hut und Hundetier
Tauchten auf verändert sehr
Aus dem flock‘gen Federmeer.

 

Seht: als dicker Muff zur Seite
Rollt der Hut! Jedoch das Weite
Sucht der Bob voll Ungestüm
Nun als qraus'ges Ungetüm.

 

 

Max und Männe hinterdrein,
Holen bald den Bobbi ein,
Greifen auch den Muff noch auf.
Nun beginnt die Wassertauf’

 

Für die beiden so Beklebten! –
Aus der Gartenspritze strebten
Knatternd große Wassermassen,
Die die Federn schwinden lassen,
Denen selbst der Kleister weicht,
Wo der Strahl vorüberstreicht.
Bobbi heulet jämmerlich
Und der Hut hüpft lächerlich!

 

Welch’ Vergnügen für die Buben
So die beiden abzuschrubben! –
Doch – mit vielem Weh und Ach
Kam das dicke Ende nach!

 

 

Krause liebt die Filzesröhre,
Und sein Kahlkopf merkt die Leere;
So erscheint er gerade jetzt,
Wirft die Arme hoch entsetzt.

 

Nimmt dann ohne Federlesen
Seinen langen Kehrerbesen
Und drischt auf den Dreibund ein.

 

 

Alles flüchtet nun mit Schrei’n,
Doch der Bob voll Rachegier
Kriegt den Hut zu packen hier,
Rennt damit in einem Nu
Auf die Hintertüre zu.

 

Kommt so in die leere Küche,
Wo app’titliche Gerüche
Steigen von dem Tische auf,
Schöner Kuchenteig ruht drauf,
Ausgerollt zu dünner Scheibe,
Daß er noch ein wenig treibe
Durch der Hefe Zauberkraft,
Wie man’s so beim Backen macht.

 

Max und Männe finden schnell
Auch sich ein an dieser Stell’,
Während wütend der Herr Krause
Sitzt schon wieder auf dem Hause.

 

 

Ein Geräusch im Schornsteinrohr
Tönet an der Knaben Ohr,
Und der Bobbi sehr gewandt
Am Kamin die Türe fand,

 

Die versteht in einer Ecke
Dienet nur dem Rein’gungszwecke.
Lauschend steht vor dieser Tür
Nun der böse Dreibund hier.
Bob knurrt leise. Sonderbar
Ihm der Lärm im Schornstein war. –
Armer Bobbi! Welche Pein
Sollt’ Dir noch der Schornstein sein!

 

Schon hakt Max – zur Probe bloß!
Jetzt den Türenriegel los.

 

 

Da – in schwärzlichem Erguß
Fliegt in dicken Wolken Ruß
Durch die offne Tiire gleich,
Füllet rasch das Küchenreich,
Hüllet ein den Hund, die Knaben,
Die vor Schreck vergessen haben,

 

Diese Unglückstür zu schließen.
Und – da sie sie offen ließen,
Glitt jetzt durch das Loch hinein
Auch noch Krauses lange Lein’,
An der Eisenkugel und ein Besen
Festgebunden sind gewesen.
Neue Wolken steigen hoch
Durch das finstre Türenloch.

 

 

Und des süßen Teiges Masse
Wird wie schwarze Negerrasse,
Und als Neger steh’n dabei
Wie gelähmt der Brüder zwei.
Weh! – der Männe ruft es dann:
„Nur der Bob ist schuld daran!“ –
Schaut! Jetzt hat er ihn am Kragen
Knüpft den Strick um Bobbis Magen.

 

Ah – da zieht der Krause schon
Mit hinauf den Hundesohn,
Der in seiner Angst geschwind

 

 

Grade noch die Hose find’t,
In der Männes Beine stecken.
Lang sich Bobbis Zähne recken,
Halten fest den Hosenbund,
Und so treten Knab’ und Hund

 

Nun die Reise an noch oben, –
Furchtbar schwitzt der Krause droben,
Denn die Leine hat Gewicht!
„Ei verflucht!“ er keuchend spricht.
Und es macht der Meister Krause
Jetzo eine Ruhepause. –
Doch in dem Kamine bammeln
Knab’ und Hund, und angstvoll stammeln

 

Sie der Stoßgebete viel;
Bob bereut das böse Spiel,
Sieht den Männe unten schweben
Und den Besen dicht daneben,
Wagt zu öffnen nicht den Kiefer,
Denn dann fällt der Männe tiefer,
Bricht womöglich das Genick
Oder sonst ein Leibesstück.

 

Jetzt vernimmt der Krause plötzlich
Ein Gestöhne ganz entsetzlich.
Tiefer beugte er sein Ohr,
Zerrt’ von neuem dann empor,
Was da an der Leine hängt
Und sich durch den Schornstein zwängt,
Da – im rabenschwarzen Dunkeln
Sieht er Bobchens Augen funkeln.

 

Damit hub das Unheil an
Auch für diesen wack’ren Mann:
Schreck lähmt seiner Arme Macht,
„Himmel – was steckt da im Schacht?!“
Ruft er noch, verliert den Halt,
Saust hinab in diesen Spalt,
Treibt nach abwärts nun als Keil
Kanb’ und Hund in jäher Eil’.

 

In der Küche hat indes
Max gefunden einen Käs’,
Echt aus Limburg, dessen Duft
Ändert auch die beste Luft.
Deshalb ward er aufgespart
Und in einem Glas verwahrt.
Max zieht seine Nase h’raus,
Nimmt dann doch den Käse raus

 

 

Aus des Deckelglases Tiefen,
Wobei ihm die Augen triefen
Vor so beißendem Geruch.
Dann tut er den weisen Spruch:
„Dies Malheur bracht der Zylinder
Über uns, die armen Kinder!
Schwarz hier alles, schwarz der Kuchen!
Vatern seh’ den Stock ich suchen!“

 

Deshalb jetzt mit Rachewut
Schiebt den Käs’ er in den Hut,

 

 

Drückt ihn fest am Boden dann,
Fängt sofort was Neues an.
Denn – versteckt in dem Gelasse
Hinter einem großen Fasse
Ist das Weizenmehl, das weiße,
Das jetzt von besond’rem Reize

 

Für des Mäxchens regen Kopf,
Schleunigst in den Filzestopf
Schüttet er ‘ne ganze Masse,
Birgt den Mehlsack hinterm Fasse,
Stellt den Hut nun auch sogleich

 

 

Mitten auf den Kuchenteig,
Lauscht sodann, wie im Kamin
Bob und Männe aufwärts zieh’n. –

 

Ahnungslos Frau Knödelmayer
Rühret Zucker ein und Eier
In der Stube, mit Genuß, –
Schönen weißen Zuckerguß.
Fertig ist die Arbeit dann,
So – nun geht’s ans Backen ran!
Denkt die Knödelmayer heiter,
Eilet mit der Schüssel weiter.

 

Öffnet froh die Küchentür
Prallt zurück! Ihr seht es hier! –,

 

 

Denn im selben Augenblick,
Also wollt’s das Mißgeschick,
Rollt aus des Kamines Schlund
Erst der Männe dann der Hund,
Eingehüllt in Wolken Ruß,
Den mit Recht man fürchten muß.

 

Starr steht da die arme Frau!
Vor ihr schimmert’s grau in grau.
Unterm Tisch hockt, hosenschlotternd

Und Entschuldigungen stotternd,
Max als schwarzes Mohrenkind.
Bob und Männe derweil sind
Auf die Beine nun gekommen,
Schlottern auch gar arg beklommen.

 

Bis der Bob mit raschen Mut
Nach der Türe rasen tut,
Um das Freie zu erreichen
Und den Hieben auszuweichen.
Hinter sich zieht er die Leine,

 

 

Und die schlingt sich um die Beine
Unserer Frau Knödelmayer,
Reißt sie um, und Zucker, Eier

 

Samt der Schüssel fliegen fort,
Treffen nun den Krause dort,
Der grad’ pustend und voll Wut
Aus dem Loche krabbeln tut.
Über Krauses Kopf und Füße
Fließt des Zuckergusses Süße,
Und als er nun aufrecht stand
Trug er ein gestreift’ Gewand:

 

Lange Bahnen Zuckerkleister
Zieren jetzt den Fegermeister! –
Dann rafft sich Frau Knödelmayer
Auf zu einer andern Feier,

 

 

Packt den Strich, zerrt Bob heran
Und fängt ihn zu dreschen an,
Bis, ganz blind vor Angst und Not,
Er ihr zu entfleuchen droht.

 

 

Und bei dieser wilden Hatz
Macht der Tisch dann einen Satz,
Kippt und – ach! – des Teiges Scheibe
Schmiegt sich an dem Hundeleibe,
Hüllt ihn ein von Kopf bis Schwanz,
Eben völlig, restlos, ganz! –
Krause sah das Unglück kommen
Hat noch schnell den Hut genommen.

 

Hat den Kahlkopf rasch bedeckt,
Reißt ihn wieder ab erschreckt,

 

 

Da der Filzröhr’ schwer’ Gewicht
Ihm belastet das Gesicht.
Schau – der Mehlstaub niederfloß
Und sich über ihn ergoß,
Alles, was noch schwarz gewesen,
Rock und Hose, selbst der Besen,

 

Glänzt in weißer Sauberkeit
Wie der Schnee zur Winterszeit,
Als jedoch der Meister still
Seinen Hut besicht’gen will,
Weiten sich der Nase Löcher,

 

 

Denn gar furchtbare „Gröcher“
Quellen aus des Hutes Grund!
Krause macht dann einen Fund,

 

Greift hinein und greift den Käse,
Wird jetzt wirklich ernstlich böse,
„Limburger! Ha – welche Türke!“

 

 

Schreit er auf und wirft zum Glücke
Dann den Limburg voller Kraft
Durch das Loch in jenen Schacht,
Der verbirgt, in Ruß verscharrt,
Ein Geheimnis seltner Art.

 

Da – jetzt auch Herr Knödelmayer
Stellt sich ein zu dieser Feier,
Hält schon in der Hand das Rohr,
Nimmt zunächst den Männe vor,
Und als er ihn durchgebleut,
Er bei Max dies tut erneut. –
Bob jedoch, der hat indessen
Durch den Teig ein Loch gefressen.

 

 

Und da er nun sehen kann,
Schleicht er an das Türchen ran,
Um im Schornstein sich zu drücken
Vor Herrn Knödelmayers Blicken.

Doch – kaum dorten er entschwand,
Als ihm schon der Meister fand,
Packt ins Genick ihn, zieht ihn raus,
Hebt den Stock auch schon, o Graus!

 

Jetzt – der Bob macht plötzlich schön!
Hier Ihr könnt ihn sitzen seh’n,
Eingehüllt in Teig-Mantille,
Die schon zeiget Riß und Rille,
Hält den Limburger ganz fest
In den Zähnen eingepreßt.
Und – in diesem Käse hold
Glänzt es nun wie lauter Gold.

 

 

 

 

In die Masse sind geraten
Lauter güldene Dukaten! –
Krödelmayer senkt das Rohr,
Ruft: „Ha, endlich find’t sich vor
Jener Schatz, den einst mein Ahn
Irgendwo hier weggetan!“
Er durchwühlet den Kamin
Findet noch Dukaten viel.

 

Kniet dann nieder, küßt den Bob
Auf den Moppeldackelkopp.
Aller Ärger ist vergessen,
Abends gibt’s dann ungemessen
Wein und Wurst und weiche Eier
Bei Familie Knödelmayer. –
Schornsteinfegermeister Krause
Zieht mit zweierlei noch Hause:

 

Einem neu’n Zylinderhut
Und ‘nem Affen, gar nicht gut!
Selbst das Kleeblatt hat ‘nen Rausch
Lüftet nun die Schädel aus.

 

 

Schaut nur: Arm in Arm zu drei’n
Schwanken sie im Mondenschein! –
Was nun lehret dieser Streich? –
Hier es sei gesagt sogleich:

 

Was böß’ anfängt, wird gar oft
Anders enden, als erhofft!
Selbst ein Käse, noch so düftig,
Ist für ‘n gutes Ende wichtig,
Und gar ein Zylinderhut
Manchmal reine Wunder tut!

 

 

 

 

Anmerkungen:

  1. Auf der Titelseite steht: „2. Streich.“, auf der Innenseite „2. Band“.